Redebeitrag zur Metro-Aktionärshauptversammlung am 5. Mai 2010 in Düsseldorf von Rubenia Delgado

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Rubenia Delgado. Ich spreche mit Autorisierung des Dachverbandes der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.

Ich melde mich zu den Punkten 2 und 3 der Tagesordnung: Entlastung des Vorstands sowie Entlastung des Aufsichtsrats der Metro AG.

Ich arbeite im Bildungs-Projekt CEREAL der mexikanischen Nichtregierungsorganisation Fomento Cultural y Educativo. Wir arbeiten eng mit ArbeiterInnen aus der Elektroindustrie in Mexiko zusammen.

Media Markt und Saturn konnten ihre Ergebnisse 2009 steigern. Was Sie nicht wissen: Den Preis für die Gewinne zahlen die ArbeiterInnen in den weltweiten Zulieferfabriken der Elektronikindustrie. Dies macht unsere aktuelle Studie deutlich, die auf  Recherchen und Interviews mit über 4.000 ArbeiterInnen in der Branche basiert.

Die von CEREAL aufgedeckten Arbeitsrechtsverletzungen sind:

  • Niedriglöhne
  • menschenunwürdige Behandlung
  • monatliche Zeitverträge
  • Entlassungen ohne Abfindungszahlungen
  • Arbeitsplatzinstabilität
  • Fehlen von Gewerkschaftsfreiheit

Die an diesen Arbeitsrechtsverletzungen beteiligten Unternehmen sind Marken wie SONY, PANASONIC, MICROSOFT, NOKIA, BLACKBERRY.

Genau diese Marken finden sich auch in Ihren Geschäften. Es ist wichtig, dass Sie wissen, dass die Löhne, die die ArbeiterInnen erhalten, nicht ausreichen, den Lebensunterhalt zu sichern. Die niedrigen Löhne zwingen die ArbeiterInnen dazu, exzessive Überstunden zu leisten.

Media Markt und Foxconn haben in China eine Handels-Joint-Venture gegründet. In den Foxconn-Fabriken werden die Menschen- und Arbeitsrechte mit Füßen getreten.

Im März 2009 wurden in Ciudad Juarez in Chihuahua 300 ArbeiterInnen entlassen, weil sie sich weigerten, erzwungene Überstunden zu arbeiten. In Guadalajara haben ArbeiterInnen über acht Monate lang jeden Monat einen neuen Vertrag unterzeichnen müssen- ein klarer Verstoß gegen mexikanische Gesetze. Über 50 ArbeiterInnen dieser Fabrik wurden ohne jede Abfindung auf die Straße gesetzt. In Guadalajara und in Ciudad Juarez arbeitet Foxconn mit 70 Prozent  LeiharbeiterInnen.

Ich frage den Vorstand und den Aufsichtsrat der Metro AG:

Welche Schritte gedenken Sie zu unternehmen, um Arbeits- und Menschenrechte in der weltweiten Elektronik-Industrie umzusetzen?

Wurden bei den Verhandlungen und Vereinbarungen zwischen MediaMarkt und Foxconn die Einhaltung und Umsetzung von Sozialstandards thematisiert? Wie sehen hier die konkreten Vereinbarungen aus?

Und wie sorgen Sie dafür, dass im Zuge der Finanzkrise sich nicht nur die Konzernbilanzen erholen, sondern auch die Beschäftigungssituation in den Zulieferfabriken?

Solange die Sorgen über die Arbeitsrechtsverletzungen bei der Herstellung von Produkten der Metro-AG nicht ausgeräumt werden können, ist es mir nicht möglich, für eine Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrates zu stimmen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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