Redebeitrag zur Metro-Aktionärshauptversammlung am 5. Mai 2010 in Düsseldorf von Merejilda Peñaloza
Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist Merejilda Peñaloza, ich spreche mit Autorisierung des Dachverbandes der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.
Ich arbeite in einem mexikanischen Zulieferbetrieb von Blackberry und spreche heute als eine Vertreterin der ArbeiterInnen, welche die Gewinne erwirtschaften, die Sie hier und heute feiern. Ich melde mich zu den Punkten 2 und 3 der Tagesordnung: Entlastung des Vorstands sowie Entlastung des Aufsichtsrats der Metro AG.
Die Metro Gruppe vertreibt über die beiden Elektronikfachmärkte Media Markt und Saturn Geräte, die ich und meine KollegInnen gut kennen, da wir sie in Fabriken über den Globus verstreut fertigen. Beim Besuch in einem Media Markt in Hamburg fiel mir das Modell Pearl 8110 der Marke Blackberry auf, das auch in meiner Fabrik in Guadalajara hergestellt wird. Erst jüngst erhielt meine Fabrik einen Preis, da wir unter den elf Blackberry-Herstellern weltweit diese am günstigsten produziert haben. Die günstigen Produktionskosten in Mexiko liegen fast gleichauf mit China und basieren auf Löhnen, die nicht für ein Leben in Würde reichen. Für einen Arbeitstag von acht Stunden erhalten wir lediglich fünf Euro Lohn, im Monat wären dies bei einer Sechs-Tage-Woche 120 Euro. Dieser Lohn reicht nicht, um die Grundbedürfnisse einer Familie zu befriedigen. Wenn ich mir einen Vergleich zu Ihnen, Herr Dr. Cordes, erlauben darf: Ich verdiene nicht einmal ein Tausendstel Ihres Lohns!
Die niedrigen Löhne zwingen mich und meine KollegInnen, Überstunden zu machen, mehrere Schichten hintereinander zu arbeiten, auch sonntags. In der Regel arbeiten wir bis zu 24 Stunden die Woche extra dazu.
Die gewerkschaftliche Organisierung ist in den meisten Betrieben nicht möglich – gelbe Gewerkschaften prägen unser Land. Als ich mich vor einigen Jahren gewerkschaftlich organisieren und über meine Rechte informieren wollte, wurde ich entlassen. Auch jetzt gehöre ich einer Gewerkschaft an, die ich nicht einmal kenne. In Mexiko erfolgt dies automatisch mit der Unterzeichnung des Arbeitsvertrags.
An meinem Arbeitsplatz wird kein Blei mehr eingesetzt, weil wir für die Märkte in Europa und den USA produzieren und die ROH-Richtlinie den Einsatz untersagt. Dafür hat sich der Gehalt von Zinn von 63% auf 95,5% deutlich erhöht. Zusätzlich werden 4% Silber und 0,5% Kupfer verwendet. Jetzt 95,5% Zinn, 4% Silber und 0,5% Kupfer. Diese Mischung führt zu gesundheitsgefährdenden Dämpfen. Die Abzugshauben funktionieren nur, wenn angekündigte Kontrollen oder Käufer zu uns in die Fabrik kommen.
Ich frage den Vorstand und den Aufsichtsrat der Metro AG:
Welche Schritte gedenken Sie zu unternehmen, um die Löhne in ihren Zulieferbetrieben zu erhöhen und ein Leben und Arbeiten in Würde ermöglichen?
Wie werden Sie dafür sorgen, dass wir ArbeiterInnen unsere Recht auf Gewerkschaftsfreiheit und Kollektivverhandlungen weltweit ausüben können?
Und werden Sie sich dafür einsetzen, dass künftig nicht nur der Bleigehalt in den Produkten und bei der Herstellung eingedämmt wird, sondern auch Sozialstandards eingehalten werden? Wie sehen hier Ihre nächsten Schritte aus?
Solange die Sorgen über die Arbeitsrechtsverletzungen bei der Herstellung von Produkten der Metro-AG nicht ausgeräumt werden können, ist es mir nicht möglich, für eine Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrates zu stimmen.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
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6 May 2010 | Posted by sandra
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